STADTRAND

Verloren? Versteckt!

Stadtleben | aus FALTER 48/05 vom 30.11.2005

Selbstverständlich ist es reizend, dass es immer jemanden gibt, der Handschuhe, Schals oder Hauben, die andere in der Bim, in der U-Bahn oder sonst wo verloren haben, rettet. Richtig rührend ist es, zu beobachten, wie jetzt wieder einzelne Handschuhe, Schals oder Hauben auf Zaunpfähle oder Büsche gehängt, in Ablagen gestopft und an Haltegriffen drapiert werden. Traurig und verlassen weht da Gestricktes im Winterwind wie Wimpel. Aber: Holt das Zeug jemals jemand wieder ab? Bleiben die liegen gebliebenen Hauben und Schals so lange der Witterung ausgeliefert, bis sie von allein zerfallen? Gehen unglückliche Handschuhverlierer ihren Weg wirklich nochmal ab auf der Suche nach verlorenen Fäustlingen? Wenn, dann schauen sie dabei eh nur auf die Straße, und nicht, ob ihre Sachen an Bäumen und Sträuchern hängen. Wahrscheinlich ist es einfach unmöglich, verlorene Gegenstände jemals wiederzufinden. Nicht, weil sie irgendwo am Wegesrand im Matsch liegen würden, sondern weil sie ein ehrlicher Finder freundlicherweise versteckt hat. Und zwar unwiederfindbar. C. W.


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