Allüren ohne Star

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 49/05 vom 07.12.2005

THEATER Sven-Eric Bechtolf ist ein großartiger Schauspieler und doch kein Star. Er ist ein spannender Regisseur - aber nur in der Oper. Porträt eines Künstlers, der eher zu viel als zu wenig Talent hat. 

Der Prinz ist verliebt. Auf dem Boden seines Zimmers liegen überall Bittschriften herum, aber für Amtsgeschäfte hat er heute Früh keinen Sinn. Geistesabwesend tänzelt er durch die Papiere, verzweifelt sinkt er auf die Knie und betet händeringend zum Himmel: Ach, Emilia! Andrea Breths Inszenierung von Lessings Trauerspiel "Emilia Galotti" im Akademietheater beginnt mit einem Vorspiel ohne Worte. Minutenlang ist Sven-Eric Bechtolf allein auf der Bühne, womit von Anfang klargestellt wäre, wer in dieser Inszenierung die Hauptrolle spielt.

  Der 48-jährige Bechtolf kam vor sechs Jahren mit Klaus Bachler ans Burgtheater. Er ist unbestritten einer der besten Schauspieler des Hauses, aber obwohl Wien seine Schauspieler liebt wie keine andere Stadt, ist Bechtolf immer noch kein Star.

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