Der Schwan geht baden

Kultur | KARL A. DUFFEK | aus FALTER 49/05 vom 07.12.2005

OPER Realistisch ist "Lohengrin" kaum beizukommen. Regisseur Barrie Kosky weiß das, schreckt aber vor der notwendigen Konsequenz zurück. 

Wenn Wagner-Verehrer dem schwer verdaulichen Cocktail aus Legende, Historie und Privatmythologie des "Lohengrin" gern seine vermeintliche dramaturgische Genialität gegenüberstellen, heißt es Obacht! Nehmen wir nur einmal den Helden: Lohengrin gewinnt ein Gottesgericht für Elsa. Sie liebt ihn deswegen - soll sein. Er freilich, gottgesandter Gralsritter, lamentiert nun bis in den dritten Akt, auf dass niemand, auch die geliebte Frau nicht, ihn fragen möge, wer er denn eigentlich sei. Aus durchaus lauteren und plausiblen Motiven stellt Elsa in der Hochzeitsnacht dann doch die Frage - und Lohengrin nimmt ohne wesentliche Skrupel den nächsten Schwan und fährt heim zur Gralsrunde. Aus.

  Statischere und uninteressantere Titelfiguren gibt es in der Opernliteratur kaum. Das stellt natürlich auch die Inszenierung des Werks vor große Probleme. Lohengrin


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