"Verständnis für Bruno"

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 49/05 vom 07.12.2005

FILM Auch im Zentrum von "L'Enfant", dem neuen Film der Brüder Dardenne, steht eine Tat, die man ohne weiteres als unmenschlich einstufen würde - stellten die Regisseure nicht wieder einmal unsere moralischen Kategorien infrage. 

Das Setting des Interviews ist einigermaßen absurd: Da sitzen Jean-Pierre und Luc Dardenne an einer meterlangen Tafel in einem Festsaal des französischen Kulturinstituts von Wien. Hochglanzgebohnertes Parkett, Goldlack und Stuck, wohin man schaut - und in diesem Ambiente sollen sie jetzt erzählen: über die prekären sozialen Verhältnisse in ihrer belgischen Heimatstadt Liege. Auch den beiden Regisseuren scheint dieser Kontrast bewusst, denn als die Dame vom Verleih Getränke anbietet, fordern sie: "And a little bit of heroin now!", und brechen nach einer Sekunde irritierten Schweigens in Gelächter aus.

  Wie schon ihre letzten Spielfilme, "Le Fils" (2002), "Rosetta" (1999) oder "La Promesse" (1996), die gemeinsam mit frühen dokumentarischen Arbeiten

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