"Keine Rede von Distanz"

Steiermark Politik | DONJA NOORMOFIDI | aus FALTER 49/05 vom 07.12.2005

VERANSTALTUNG Das Buch "Blumen aus Galiläa" ist antisemitisch. Trotzdem darf sein Herausgeber jetzt an der Grazer Uni moderieren. 

Daher kann der Aufstieg des Judentums als besorgniserregendes Symptom für die Menschheit gesehen werden." Dass diese und viele andere Passagen aus dem Buch "Blumen aus Galiläa" von Israel Shamir antisemitisch sind, darüber sind sich eigentlich alle einig (siehe Falter 47/05). Heribert Schiedel vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW): "Es ist eine der antisemitischsten Hetzschriften, die nach 1945 in Österreich erschienen sind." Trotzdem darf der Herausgeber des Buches, Fritz Edlinger, Generalsekretär der Gesellschaft für österreischisch-arabische Beziehungen, am 16. Dezember eine Veranstaltung zum Thema Palästina an der Grazer Uni moderieren. Ursprünglich hatte Unirektor Alfred Gutschelhofer die Veranstaltung Anfang November aufgrund des Protestes der Organisation Mayday, der Grünen und sechs Lehrender kurzfristig abgeblasen. Sogleich bot damals die KPÖ ihren Karl-Drews-Klub als Ausweichquartier an, Landesparteivorsitzender Franz Stephan Parteder fand im Gespräch mit dem Falter: "Es gibt wichtigere Themen." Auch jetzt verteidigt Parteder, dass die Veranstaltung nun doch an der Grazer Uni stattfindet, auch wenn die KPÖ gar nicht mehr als Unterstützer aufscheint. Eine Entscheidung, die offensichtlich nicht die KP selbst, sondern die Veranstalter getroffen haben.

  Zu diesen gehört nun auch das Institut für Völkerrecht und Internationale Beziehungen unter seinem Leiter Wolfgang Benedek. Edlinger habe sich ihm gegenüber bereits vom Buch distanziert und werde das auch noch öffentlich machen. Doch auch wenn Edlinger die Werbung für das Buch - übrigens erst am Montag - von der Homepage der Gesellschaft für österreichisch-arabische Beziehungen entfernen ließ, bleibt er doch Herausgeber. Ines Aftenberger von Mayday: "Er müsste seine Herausgeberschaft zurückziehen." Sonst könne von Distanzierung keine Rede sein.


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