VOM GRILL

Besinnlich mit Beretta

Steiermark Stadtleben | MATHIAS GRILJ | aus FALTER 50/05 vom 14.12.2005

Steht Weihnacht freudetriefend vor der Krippentür, bedauert manch treuer Familienvater, keine Beretta zur Hand zu haben. Wie bitte?, fragen Sie zu Recht. Nun, er war es gewohnt, seine Liebsten zu beschenken. Nicht reich, aber ein bissi souverän. Meist mit Sachen, die sie sowieso brauchten. Bescherung war ihm stets Freude und heilige Pflicht.

  Nun ist er arbeitslos. Und sucht. Er ist zu alt/jung, zu unter-/überqualifiziert. Oder zu stolz, sich in jeden verbrecherischen Vertrag zu fügen. Während rundum alles teurer wird, werden Honorare gekürzt. Nur Reiche werden reichlich reicher. Auch wenn er sich und den Seinen vieles versagt, geht sich vieles, was vor ein paar Jahren noch selbstverständlich war, einfach nicht mehr aus.

  Mit einer handlichen Beretta, Kaliber 22, ließe sich bei heimischen Geldinstituten durchaus was erreichen. Und zwar souverän. Er hat diesbezüglich zwischen Andritz und Puntigam schon recht kreative Ideen. Die Kinderaugen strahlten, wie es sich gehört, unter dem treublättrigen Tannenbaum. Aber ohne Beretta hat er Angst vor der Bescherung. Er schämt sich. Er fühlt sich wertvoll wie ein Stück Hundescheiße. Besorge dir - so wandelt er den Spruch des Propheten wortwitzig ab - eine Beretta in der Zeit, dann hast du in der Not keine Not.

  Man kann ihm, auch wenn man ihm nicht folgen kann, durchaus folgen.


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