VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 50/05 vom 14.12.2005

Das wird schon wieder nichts mit der taxativen Aufzählung (nebenbei eine Frage an die Fachleute: Ist das nun ein Pleonasmus oder nicht?), denn ich werde von anderem abgelenkt. Zwar wollte ich Ihnen nicht vorenthalten: Vor zwanzig Jahren schrieben Klaus Albrecht Schröder, heutiger Direktor der Albertina, und Markus Brüderlin, designierter Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, sozusagen Rücken an Rücken im Falter über gegenwärtige Kunst.

  Mir aber stachen zwei kleinere Beiträge ins Auge, beide interessanterweise von Vorarlbergern, beide nicht ohne einen Hang zu sardonischem Humor verfasst. Einer stammt vom Historiker Peter Melichar und analysiert den zu Ende gegangenen Schachwettkampf Karpow gegen Kasparow, den dieser gewann, im Lichte von Clausewitz' Werk "Vom Kriege". Wir lernen: Schach ist "nichts als eine hochabstrakte Simulation des Krieges; man darf sich, was dieses ,Spiel' betrifft, keiner Illusion hingeben: Das letzte und höchste Ziel, worauf sich das Begehren hier richtet, ist die absolute Zerstörung des Gegners ..."

  Gut gefiel mir auch jene Charakterisierung, die im Inhaltsverzeichnis einen Beitrag von Christoph Winder zum 60. Geburtstag von Gerd Bacher ankündigte: "Er hat einen Kasten, frisst vermutlich Soletti und hält Marshall McLuhan für einen amerikanischen Talkmaster. Er tadelt, wenn die gute Sendung zur Unzeit ausgestrahlt wird, er freut sich über die gute Sendung zur rechten Zeit und erbost sich ganz besonders über die schlechte zur guten." Wer das wohl sein könnte? Erraten. Der österreichische Fernsehkritiker. A.T.


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