STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 50/05 vom 14.12.2005

So wie jeder Heilige eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft hat, so erhärtet jede neue Verfilmung von "Lady Windermeres Fächer" bloß den Verdacht, dass Oscar Wildes beste Zeiten vorüber und seine geistreichen Witzeleien dem Kino nur mehr wenig zuträglich sind. Die jüngste Version, "A Good Woman" (Titelzusatz: "Ein Sommer in Amalfi"), stammt von Mike Barke und bietet, abgesehen von Wildes bösen Wuchteln, hübschen Drehorten und historischer Ausstattung, immerhin eine attraktive Besetzung: Scarlett Johansson spielt die frisch verheiratete Titelheldin und Helen Hunt die berüchtigte Femme fatale Mrs. Erlynne, ihre Mutter, von der sie nicht weiß. Die anderthalb Kinostunden gehen ohne Nebenwirkungen vorbei. Ernst Lubitschs noch als Stummfilm gedrehte Version des Stoffs bleibt auch nach achtzig Jahren unerreicht.

  Apropos. Einer der schönsten Filme von Lubitsch steht, quasi saisonal bedingt, als Wiederaufführung im Gartenbaukino auf dem Programm. "The Shop Around the Corner"


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