Fragen Sie Frau Andrea

Jultomten

Stadtleben | aus FALTER 50/05 vom 14.12.2005

Liebe Frau Andrea!

Gerade habe ich Besuch aus Innsbruck. Die kleine Tochter meiner Freundin glaubt als braves Tiroler Mädchen ans Christkind. Gleichzeitig erzählt sie mir vom Weihnachtsmann und dass der auf der Seegrube wohnt. Das kann ja doch wohl nicht stimmen.

Alles Liebe,

Claudia, Neubau

Liebe Claudia,

alle Jahre wieder geistert der dicke Großvater mit dem roten Wams und den weißen Plüschaufschlägen durch unsere Städte. Der bärtige Schrull wohnt natürlich nicht über den Dächern von Innsbruck, wiewohl es leicht möglich ist, dass Eingeborene mit Weihnachtsmannkostümen sich bis aufs Hafelekar verirren. Wie auch immer, der gerade gültige Santa Claus stammt von einer Coca-Cola-Kampagne aus den frühen Dreißigerjahren. Nun gibt es seit den spätantiken Tagen eines gewissen St. Nicholas, Bischof im kleinasiatischen Myra, den Mythos des geschenkebringenden Mützenmanns. Bei uns stiefelt der als Nikolo durchs Land. Von prägendem Einfluss auf die Coca-Cola-Version des Weihnachtsmannes war hingegen die nordische Variante des bärtigen Tomtes. Vom bischöflichen Nikolonamen abgesehen, kann man beim rotweißen Wichtel direkt in Poltergott Thors Antlitz blicken, was sich auch darin manifestiert, dass sich der Weihnachtsmann, schwedisch Jultomte, ausschließlich von Rentieren chauffieren lässt, während der französische Père Noël und der italienische Babbo Natale ja wohl eher mit Vespas durch die Gegend kurven würden.

dusl@falter.at


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