STADTRAND

Tischxenophob

Stadtleben | aus FALTER 50/05 vom 14.12.2005

In Wien macht man das ja nicht gerade gerne, mit Fremden an einem Tisch sitzen. Gut, beim Heurigen oder im Wirtshaus sieht man die Sache lockerer und rückt für andere schon mal die Hintern aneinander. Aber im Kaffeehaus? Da kann man ja gleich wildfremde Menschen zu sich nach Hause einladen! Einander unbekannte Gäste werden höchstens im Café Hawelka miteinander an den Tisch platziert - zumindest wenn es sich bei den Gästen um Wientouristen handelt, die es nicht besser wissen. Auch im gutbesuchten Szenekaffeehaus kann es vorkommen, dass jemand fragt, ob die eine Hälfte des Tisches leicht noch frei sei. Wie. Unangenehm. Ist. Das. Denn? Doch Neinsagen käme auch blöd. Also schraubt man seine Gesprächslautstärke herunter und fühlt sich halt in seiner Kaffeehausfreiheit eingeschränkt. Große Güte. Doch wenn dem Tischnachbarn noch weitere folgen, aus Rücksichtnahme auf die nichtrauchenden Haberer Aschenbecher samt Zigarettenhand auf der unbekannten Seite untergebracht werden und die Typen nur Blödsinn reden, dann ist Schluss mit lustig. Huch! Ist das Tischxenophobie? C. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige