STANDPUNKT

Pakt der Ängste

Politik | aus FALTER 51/05 vom 21.12.2005

Zwei Männer lieben sich und wollen ein Kind adoptieren. Zwei Frauen sind ein Paar und möchten mittels künstlicher Befruchtung Eltern werden: Dass Österreich dafür noch nicht reif ist, hat man eh schon gewusst. Deshalb alle Achtung, dass Justizministerin Karin Gastinger sich über ein Partner-Modell für Schwule und Lesben getraut hat. Nur leider würden die Betroffenen von diesem Pakt in der Praxis kaum etwas haben. Homosexuellen Partnern räumt der Vorschlag lediglich eine müde Lightversion der ehelichen Rechte ein - so soll laut der BZÖ-Ministerin die Erbschaftssteuer für sie bloß ermäßigt und nicht gleich niedrig wie bei einem Ehepaar sein. Das Modell leidet vor allem aber unter einem Mangel an Symbolik. Denn die Homo-Paare sollen demnach schön unauffällig beim Notar unterschreiben, anstatt sich selbstverständlich am Standesamt trauen zu dürfen. Gerade so eine Geste wäre aber nötig, um die Normalität gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu unterstreichen. Doch offensichtlich nimmt Gastingers Pakt zu viel Rücksicht auf die Ängste der konservativen Männerbündler in der ÖVP, die mit Homosexuellen ihre persönlichen Probleme haben. Dabei könnte sich die Justizministerin gerade jetzt mit einem mutigen Vorstoß als Liberale profilieren und die Schwarzen ordentlich ärgern: In einem Jahr, nach der Wahl, sitzt sie wahrscheinlich ohnehin nicht mehr in der Regierung. J. O.


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