REISEBÜCHER

"Die Pioniere des neuen Europa"

Kultur | KATRIN SCHUSTER | aus FALTER 51/05 vom 21.12.2005

Der Slawist und Historiker Karl Schlögel ist ein Prediger des Ostens. Alles, was zwischen Baltikum, Schwarzem Meer und Ural bis vor 15 Jahren hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden war, versetzt den einstigen 68er-Maoisten, der heute die Tugenden des Republikanismus und der Urbanität aus dem Geist des Jugendstils beschwört, in Verzückung.

  Die litauische Kleinstadt Marjampole ist der größte Gebrauchtwagenmarkt im Zentrum des neuen Europa, an dem pro Tag an die 1500 Pkw aus dem Westen in den Osten verschachert werden. Völkerverbindung der realen Art! "Sie haben noch nie einen der vielen Preise für Europäertum bekommen, obwohl sie die Pioniere des neuen Europa sind: Die Spediteure, die Leiter der Filialen internationaler Unternehmen, die Händler auf den Basaren."

  In Nischni Nowgorod, Russlands drittgrößter Stadt, entdeckt Schlögel geschmackvollen Neokonstruktivismus; in Brünn trauert er in Gestalt der Villa Tugendhat der "weißen Avantgarde" der Zwischenkriegszeit nach;


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