TIER DER WOCHE

Männerfantasie

Stadtleben | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 51/05 vom 21.12.2005

Es ist erfrischend, dass in der kitschigen Vorweihnachtszeit ein Tier im Mittelpunkt der Medien steht, das kein Rentier, Esel oder Ochse ist. King Kong, eine Art mutierte Variante eines Gorillas, nimmt einen weiteren Anlauf, eine spärlich bekleidete weiße Frau anzuschmachten. Stalking nennt man das heutzutage. Da die bestehenden Gesetze dagegen offenbar zu lahm sind, zeigt Hollywood, was die einzig gerechte Strafe für sexual harassment sein sollte: der Tod. Kulturtheoretiker sehen in der Originalversion von 1933 eine Parabel über die tief verunsicherte US-amerikanische Männerwelt der Dreißiger. Die in der Depressionszeit ins Wanken geratenen Werte werden durch frauenfeindliche und rassistische Einstellungen kompensiert. Kong repräsentiert das unamerikanische und die sittliche Ordnung bedrohende Element, während die Rolle der weiblichen Protagonistin zwischen jungfräulichem Opfer und erotischer Verführerin schwankt. Das Untier steht für den durch keine zivilisatorischen Kräfte


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