"Kreative Unruhe"

Steiermark Politik | THOMAS WOLKINGER | aus FALTER 51/05 vom 21.12.2005

MEDIEN Die "Presse" fährt ihre Steiermark-Redaktion zurück. Der Grund: zu wenige kritische Leser. 

Die Steiermark-Redaktion der zum Styria-Flottenverband gehörenden Tageszeitung Die Presse wird mit Ende des Jahres zurückgestutzt. Es sei nicht im erwarteten Maß gelungen, Leser zu gewinnen, sagt Steiermark-Ressortleiter Ernst Sittinger, der mit seinem kleinen Team seit März 2003 täglich außer Montag auf zunächst zwei eigenen Steiermark-Seiten die enge lokale Medienszene um profund recherchierte Berichte, witzige Interviews und hintergündige Analysen erweitert hat. Später wurde der Umfang wochentags auf eine Seite reduziert. Auch personell wurde die Redaktion ausgedünnt. Dabei legte die Steiermark-Presse schon einen ziemlich geglückten Start hin. Bereits in der Ausgabe vom 8. März 2003 verfasste Sittinger die erste große Estag-Geschichte überhaupt. Zu einem Zeitpunkt, als Gerhard Hirschmann noch Landesrat war und seine "Aufdeckerkarriere" noch vor sich hatte. Insgesamt kann Sittinger also mit einer gewissen Zufriedenheit auf "drei Jahre extrem sauberen Politjournalismus" verweisen. In Wien ist man versucht, die Entwicklung weniger drastisch darzustellen: In welchem Ausmaß die Steiermark-Seiten reduziert würden, werde sich in den nächsten Tagen entscheiden, sagt Chefredakteur Michael Fleischhacker. Änderungsbedarf ergebe sich daraus, dass wegen der Steiermark-Mutation das größte Bundesland in der gesamtösterreichischen Auflage oft unterrepräsentiert sei. Weniger ist also eigentlich mehr. Insgesamt komme es zu keinen Einsparungen, vielmehr zu Verschiebungen: zugunsten des Wien-Teils etwa. Und die steirischen Artikel würden verstärkt ins Hauptblatt integriert. Schreiben wird sie wahrscheinlich weiterhin Ernst Sittinger, der nichts dagegen hätte, "als kreative Unruhe von Graz aus" tätig zu werden.


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