VOM GRILL

Neulich in der Stadt ...

Steiermark Stadtleben | MATHIAS GRILJ | aus FALTER 51/05 vom 21.12.2005

... wurde die Brille kaputt. Ich tastete mich zum Optiker und grüßte unterwegs, damit kein Bekannter beleidigt sei, die Passanten auf Verdacht. Der mit Schnurrbart war Mama. Als Blinder sieht man immerhin den weihnachtlich prostituierten Hauptplatz nicht.

  ... kontrollierte mich ein Kontrollor. Meine Tramwaykarte war prompt gestempelt, wozu ich ihm herzlich gratulierte. Er meinte, eher möge ich mir selber gratulieren. Er begriff nicht, dass ihm Bedrängnisse erspart geblieben waren, die sein ganzes Sein hart aus dem Gleis geworfen hätten. Das ist übertrieben, zugegeben, aber es klingt gar nicht übel, oder?

... dachte ich, als ich einen Fado summte, an jene greise und verwirrte Bettlerin in einer Lissaboner Gasse. Sie hockte im düstersten Winkel, den es gibt. Da kommt keiner vorbei. Nur ich. Vor Rührung über so viel Einfalt gab ich ihr einen Zehner und musste lachen: So ging das Konzept der Alten wunderbar auf.

  ... war Tag der Freundlichkeit. Alles schien zu lächeln. War das wirklich Graz? Ach, du Kleingläubiger, was denn sonst? Mostar vielleicht? Oder Kapfenberg?

  ... wartete ich in der LKH-Radiologie unter einem Bild Jörg Schlicks. Sofort ein Gefühl von Heimat. Dieses Werk kenne ich vom Aufkeimen der Idee über die formale Umsetzung bis zum Rahmen. Besser als meine Lunge. Außerdem ist es schöner und taugt mehr.


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