Steirerbrauch

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 51/05 vom 21.12.2005

CHRISTMETTE GEHEN Mitten in der Nacht ist der Vater loszogen. Vom Hof runter, durch den Schnee. Knietief. Und die Kirchen so weit! Die Kinder haben ihm Weihwasser auf die Joppen gespritzt, damit nix passiert. "Geh nicht Vater", habens gsagt. "Bleib!", habens bettelt. Aber der Vater hat die Augen voll Glück ghabt. Den Kopf voller Weihnachtsfreude. Den Magen voll Knödelfleisch und Krapfen. Und Kirschlikör. Und so ist er dann die Wiesen runter. Im Schneesturm. Am Ziesler Anger hat's ihn das erste Mal aufgstreut. Dort habens am Christtag die Hauben gfunden. Das zweite Mal hat's ihn beim Hochegger aufgsteckt. Da sind die Handschuh liegen blieben. Dann der Hirschbach. Da ist der Vater nicht mehr aufgstanden. Im Eis ist er eingschlafen. Die Glocken im Ohr, die Sterne im Blick. Und die Hand hat er voll Demut am Herz gehabt.  T. W.


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