STANDPUNKT

Nachplappern

Politik | aus FALTER 02/06 vom 11.01.2006

Als langjähriger Chef der Zukunftswerkstätte umschmeichelte Josef Cap gerne aufgeklärte Geistesgrößen. In der Tagespolitik holt sich der SPÖ-Klubobmann seine Anregungen lieber aus den Niederungen des Boulevards. Kaum eine TV-Debatte, bei der Cap nicht die Kronen Zeitung hervorkramt, um seine Argumente zu untermauern. Zum Jahreswechsel übernahm der Sozialdemokrat die Wortwahl des Kleinformats sogar eins zu eins: Die umstrittenen Sujets des Kunstprojekts 25 peaces qualifizierte er als "Pornoplakate" - ein dümmlicher Sager. Mit Plattitüden fällt die SPÖ immer öfter auf, etwa wenn sie gegen die EU Stimmung macht. Klar: Eine Oppositionspartei darf nicht in Schönheit sterben, sondern muss mitunter eine harte Gangart an den Tag legen. Aber zügelloser Populismus schafft ein Klima, von dem letztlich die FPÖ profitieren könnte, die seit jeher von simplen Botschaften lebt. Die SPÖ mit ihrem staatstragenden Anspruch sollte sich von einer Protestpartei unterscheiden, in dem sie dem Volk nicht bloß nach dem Maul plappert, sondern mutig für gute Ideen wirbt und damit Mehrheiten schafft. Das ist kein hoffnungsloses Unterfangen, wie etwa die Genossen im konservativen Spanien bewiesen. Die dortige rote Regierung setzte die Homoehe samt Adoptionsrecht durch. Trotz der vielen kleinen Machos von der Straße. G. J.


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