AUFGELEGT

Politik | SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 02/06 vom 11.01.2006

Ich sitze in meinem Zimmer. Ein kleines, schmales Zimmer mit einem Fenster." Rolf Dieter Brinkmann (1940-75) bei der Arbeit. Der als Außenseiter am Rande des Literaturbetriebs agierende und vor mehr als dreißig Jahren verstorbene deutsche Dichter wäre heute 65 Jahre alt. Brinkmann muss als Vorreiter einer anspruchsvollen Popliteratur gelten, wie sie heute Thomas Meinecke oder Rainald Goetz auf ihre Weise weiterschreiben. Das Tondokument "Wörter. Sex. Schnitt" versammelt auf fünf CDs ungekürzte Homerecording-Aufnahmen, die Brinkmann im Herbst 1973 selbst gemacht hat. In dieser Phase schrieb er wenig und publizierte nichts davon, ließ jedoch in seinem Arbeitszimmer gern das Tonbandgerät laufen und dachte laut nach - über sein skeptisches Verhältnis zur Sprache, den Staat, den Literaturbetrieb und seine Geldsorgen ("ich müsste wieder Wörter machen"). Dabei gelangen Brinkmann, der sich gegen die Verwertung seiner Arbeiten auf eine heute kaum noch nachvollziehbare Weise sträubte,


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