Kipferl und Clooney

Überall Männer: am Gang, im Stiegenhaus, in den Schlafzimmern. Und das im soeben zur testosteronfreien Zone erklärten Haus Springergasse 5. "Die sind bald alle weg", erklärt Elvira Loibl. Bis dahin warnt man die Bewohnerinnen des Frauenwohnzentrums mittels Zettel an der Wand vor der Männerpräsenz: "Liebe Frauen, es sind Arbeiter im Haus", steht drauf. Seit Mitte Dezember hat das Frauenwohnheim der Caritas in der Leopoldstadt nun offen, rund die Hälfte der 32 Plätze ist bereits vergeben. "Es gibt noch einiges zu tun, bis alles passt", sagt Heimleiterin Loibl. Das großteils vom Fonds Soziales Wien finanzierte neue Haus hält die zwölf Sozialarbeiterinnen derzeit ganz schön auf Trab. Während man für einige Zimmer noch Möbel vom Caritaslager anschleppt, räumt man aus anderen schon wieder Sachen heraus: Eine defekte Dusche hat Wasserschäden angerichtet. Die Bewohnerinnen nehmen's gelassen, die Freude über das neue, ausschließlich Frauen vorbehaltene Zentrum ist viel zu groß, als dass sie sich wegen kleiner Pannen aufregen.

Stadtleben | MARTINA STEMMER | aus FALTER 02/06 vom 11.01.2006

OBDACHLOSIGKEIT In einem neuen Wohnzentrum in der Leopoldstadt erholen sich Frauen vom Leben auf der Straße. 

"In der Öffentlichkeit wird Obdachlosigkeit noch immer eher als Männerproblem dargestellt, daher ist auch das Angebot für Wohnungslose auf Männer zugeschnitten", erklärt Loibl. Die Heimchefin, die seit zwanzig Jahren in der Obdachlosenhilfe arbeitet, kämpft schon lange um mehr frauenspezifische Angebote in diesem Bereich. "Es wird noch immer weitgehend übersehen, dass Frauen anders obdachlos sind als Männer. Sie gehen sehr oft Zweckgemeinschaften ein und bleiben bei einem Mann, nur um nicht auf der Straße zu landen." Und man müsse sich auch einmal vorstellen, was es für eine Frau bedeute, in einem riesigen Schlafsaal mit lauter Männern zu nächtigen, wie etwa in der Odachlosenunterkunft Gruft im 6. Bezirk.

Frauen ohne Unterkunft brauchen eigene Zufluchtsstätten, um sich in Ruhe erholen zu können, zu dieser Überzeugung kam Loibl aufgrund ihrer Arbeit im Caritas-Tageszentrum


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