VOM GRILL

Komet gegen 1/2 3

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 03/06 vom 18.01.2006

Käme heute der Komet und schlüge am Ditti ein, am Dietrichsteinplatz, gegen halb drei, in der Stunde der Melancholie - tja, sollen wir uns auf Phänomene einstellen, die uns endgültig verputzen? Wie der Tod?

  ... dann wäre ich dankbar, dass ich "Hypnos" von René Char gelesen habe. Und den Duft des Pfirsichs kennen gelernt. Und des Sämlings und Saiblings und Säuglings. Und jenen Duft, der eigentlich aus Schubert ist. Und jenen, der sich zwischen deinen Schulterblättern regt frühmorgens, wie auf einem gesättigten Tier. Ein Trug natürlich, aber - wovon lebt man und wofür?

  ... dann fiele mir vielleicht ein, dass ich nie in der Sauna war. Noch in Tasmanien oder in der Koloniegasse. Hat sich nicht ergeben. Ich bedauerte es kaum. Schließlich war ich in São Paulo, Gösting und Brooklyn. Und im Haus Berndt am Attersee essen. Saibling.

  ... dann durchzuckte mich die Erinnerung an Ohrfeigen, die zu verpassen ich verpasst habe. Da darf man nichts schuldig bleiben! Graf Potocki lehrt, dass es besser sei, sich viel zu viel zu rächen als nur um ein Fuzi zu wenig. Wie Peter Handke damals dem Grazer Rektor eine gedonnert hat, dem Esel - passt.

  ... dann darf ich vor dem Ende der Welt nicht versäumen zu erzählen, was gestern gegen halb drei im Fünfer ein Sturzbesoffener, wohl selber ein Komet, philosophiert hat: "Die nächste Endstation bin ich."


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