STANDPUNKT

Nur kein Stress

Politik | aus FALTER 03/06 vom 18.01.2006

Deutsch statt nix verstehn", hetzte HC Strache im Wiener Wahlkampf ungeniert gegen Zuwanderer. SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl gab dem Blauen erst am Ende des Wahlkampfes ernsthaft Beton. Doch da war es schon zu spät - die FPÖ machte mit dem alten Ausländerthema 15 Prozent. Man dürfe dieses heikle Feld nicht mehr einfach so den Blauen überlassen, meinten die Sozialdemokraten reumütig, Häupl gelobte "mehr Aufmerksamkeit" für die Zuwanderungspolitik. Unter den 33 rot-grünen Projekten finden sich jetzt daher auch integrationspolitische Vorhaben. Wie etwa die Erweiterung der Niederlassungsbegleitung für Neuzuwanderer oder ein Modellprojekt zur Förderung von Migrantenkindern. Gescheite Ideen, aber über den wahrscheinlich wichtigsten grünen Vorschlag in diesem Bereich traut sich die SPÖ nicht drüber - eine groß angelegte Antirassismuskampagne, in der die Stadt sich klar bekennt: "Wien ist kein Platz für Rassisten!" In den Niederlanden oder Großbritannien arbeitet die Politik schon lange mit harten Sujets, um zu zeigen, dass Fremdenfeindlichkeit unerwünscht ist. In Wien hat man es 2000 einmal mit einer Kuschelkampagne - süße Multikultikinder - versucht. Nur niemand vor den Kopf stoßen, nur nicht polarisieren. Lieber nicht so genau hinschauen und sagen: "Wir Wiener sind ja eh nicht so." Blöd, dass man damit einem Strache nicht wirklich entgegentreten kann. J. O.


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