MANFRED NOWAK IM INTERVIEW

"Den Korpsgeist aufweichen"

Politik | Matthias G. Bernold und Gerald John | aus FALTER 03/06 vom 18.01.2006

Derzeit schreibt Manfred Nowak an seinem Bericht über die Situation der Häftlinge in Guantánamo, dem US-Lager für mutmaßliche Terroristen. Aber auch über Österreich macht sich der Rechtsprofessor Gedanken. Sein Befund zum Menschenrechtsbefund: keine Folter, aber Rassismus in der Polizei.

Falter: Sie haben Häftlinge aus Guantánamo interviewt. Behandeln die demokratischen USA ihre Gefangenen um nichts besser als diktatorische Regime?

Manfred Nowak: Ich würde die USA nicht auf eine Stufe mit Militärdiktaturen stellen, die etwa mit Elektroschocks foltern. Es gibt schon viel grauslichere Methoden als jene der Amerikaner. Allerdings verfolgt die US-Regierung eine klare Politik, im Kampf gegen den Terrorismus die menschenrechtlichen Normen so weit wie möglich auszuschalten. Und sie definiert den Folterbegriff relativ eng. Sogenannte "aggressive interrogation methods" fallen demnach nicht unter Folter. Die Aufseher in Guantánamo entziehen Häftlingen den Schlaf, tauchen sie unter Wasser


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