Otto - das Stück

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 03/06 vom 18.01.2006

THEATER Die Volkstheaterkrise geht weiter: Direktor Michael Schottenberg inszeniert "Weiningers Nacht", leider ohne Paulus Manker.

Am frühen Morgen des 4. Oktober 1903 wurden die Bewohner des Hauses Schwarzspanierstraße 15 von einem Schuss geweckt. Der 23-jährige Wiener Philosoph Otto Weininger hatte sich im Sterbehaus des von ihm verehrten Beethoven erschossen. Weininger ist im Wien der Jahrhundertwende eine der spannendsten, aber auch bizarrsten Figuren: Der Hochbegabte spricht sieben Sprachen, belegt mehrere geistes-und naturwissenschaftliche Fächer und promoviert bereits 1902 zum Doktor der Philosophie; am selben Tag konvertiert der Jude Weininger zum Protestantismus. Sein 1903 erschienenes Buch "Geschlecht und Charakter", eine erweiterte Fassung seiner Dissertation, ist ein misogynes und antisemitisches Traktat, das nicht die vom Autor erhoffte Furore macht und erst nach dessen Selbstmord zum Kultbuch wird.

  Kein Frage: Das ist guter Stoff. Der israelische Dramatiker Joshua Sobol


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