Knecht

Land der Hämmer

Politik | Doris Knecht | aus FALTER 04/06 vom 25.01.2006

Die Kinder drei Tage krank, und ich mit den Nerven an einem Punkt, wo eigentlich nur noch eine mehrmonatige Familientherapie und ganz harte Psychohämmer helfen. Am ersten Tag ist es total kuschelig, man vergräbt sich mit dem fiebrigen Nachwuchs im großen Bett, liest nette Kinderbücher, plaudert netten Unsinn, macht nette Fingerabzählreime, sieht zwischendurch ein bisschen fern, hört ein bisschen Harry Rowohlt, schläft ein bisschen, plaudert noch ein bisschen, liest noch ein nettes Kinderbuch. Schon am zweiten Tag sind die netten Kinderbücher alle ausgelesen, und man muss den unterirdischen Disney-Dreck vorlesen und all das Zeug, das einem von hundertjährigen Verwandten mit hundertjährigen Anschauungen geschenkt wurde, die Kinder fangen an, komisch zu riechen, und die Rippenknüffe sind nicht mehr feierlich. Es gibt ja für ein Kind, das neben einem im Bett liegt, nur eine einzige mögliche Art, sich aufzurichten, indem es seine messerscharfen Ellbogen in den Mutter-Brustkorb rammt,


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