AUFGEBLÄTTERT

Kultur | aus FALTER 04/06 vom 25.01.2006

Weil Katja Huber Redakteurin beim BR-Zündfunk und Autorin mehrerer Hörspiele ist, kann sie jedenfalls in München mit erhöhter Aufmerksamkeit rechnen: Mit ihrem ersten Roman wird sie ihr Einzugsgebiet ausdehnen, denn "Fernwärme" ist ein schönes Debüt geworden: ein bescheiden kluger Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte und eine ebenso märchenhafte wie amüsant wirklichkeitsgetreue Fabuliererei über Verständigung im Allgemeinen.

Es beginnt an Annas 32. Geburtstag: Morgens um sechs steht ein Kerl in Moonwashed-Jeans vor ihrer Tür und behauptet, ihr Cousin aus Russland zu sein. Theoretisch möglich: Annas Opa verbrachte dort neun Jahre; dass ihn mehr band als "die Partei", ahnt Anna ohnehin längst. Schließlich leidet auch sie selbst an Ost-Melancholie. Ganz vorsichtig dreht Katja Huber ihr kunterbunt funkelndes Familienkaleidoskop, und ähnlich behutsam behandelt sie auch die Sprache. Gerade die Dialoge gehen ihr herrlich knapp und verschroben von der Hand. So schmal, so gut,


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