Kein Knüller

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 05/06 vom 01.02.2006

MUSIKTHEATER Die Staatsoper zeigt Mozarts "Idomeneo" im Theater an der Wien.

Der ganz große Knüller ist es leider nicht geworden, als die Staatsoper vergangenen Freitag im Theater an der Wien mit dem "Idomeneo" Mozarts 250. Geburtstag feiern wollte. Daran sind allerdings weniger die kurzfristigen Ausfälle von Dirigent Seiji Ozawa und Regisseur Willy Decker schuld. Eher schon hatte die erste - und vorerst wohl auch letzte - Co-Produktion mit Wiens neuem Opernhaus an der Stückwahl zu knabbern. Das von Deckers Assistentin Karin Voykowitsch finalisierte Regiekonzept konzentriert sich weitgehend auf das Innenleben der Figuren. Dem seria-Charakter der Oper wird das nur zum Teil gerecht, denn so viel Stoff für psychologische Betrachtungen bietet das barocke Personal des "Idomeneo" nicht, dass allein damit die drei ohnehin handlungsarmen Stunden voller endloser Rezitative spannend überbrückt werden könnten. Zudem entschied man sich für eine karge Einheitsbühne (John Macfarlane) in Form einer riesigen Treppe, die aber immerhin das ein oder andere wirkungsvolle Bild ermöglichte.

Musikalisch versuchte der eingesprungene Peter Schneider, dem Orchester der Wiener Staatsoper einen eher forschen Ton abzutrotzen, was mitunter auf Kosten der Präzision ging. Neil Shicoff konnte als leidender Idomeneo darstellerisch mehr überzeugen als sängerisch; sein allzu romantischer Ton provozierte sogar ein einsames Buh auf offener Szene. Bei Genia Kühmeier (Ilia) und Barbara Frittoli (Elettra) war es genau umgekehrt; mag sein, dass sie damit zu kämpfen hatten, auf der steilen Treppe nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Letztlich gelang nur Angelika Kirchschlager (Idamante) eine rundum überzeugende Vorstellung. Die heikle Aufgabe, eine der musikalisch besten, szenisch aber schwierigsten Opern Mozarts zu realisieren, bleibt in Wien also vorerst ungelöst.

Nächste Aufführungen: am 4., 8., 12. und 16.2.,jeweils 19 Uhr. Karten: www.wiener-staatsoper.at oder Tel. 514 44-2250.


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