SPIELPLAN

Kultur | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 05/06 vom 01.02.2006

Ab einem gewissen Alter sehen Männer aus wie alte Weiber. Diesen Umstand macht man sich jetzt im Theater in der Josefstadt zunutze und lässt Helmuth Lohner und Otto Schenk alte Weiber spielen. Für Oscar Wildes unfassbar guter, bitterböser Komödie "Bunbury" hat Regisseur Hans Hollmann seine Berliner Inszenierungsidee von vor acht Jahren aufgewärmt und die Frauenrollen mit Männern besetzt, wie das auch Theoretikerin Camille Paglia in einem (im Programmheft abgedruckten) Text vorschlägt. Streckenweise funktioniert das sogar sehr gut. John Worthing und Algernon Moncrieff (Joseph Lorenz und Manuel Witting, hübsch manieriert) haben sich mit "Ernst" und "Bunbury" virtuellen Anhang geschaffen, um sich mittels Ausrede ab und zu eine Auszeit zu genehmigen. Doch schließlich kommen erst die jungen Damen (Florian Carove und Boris Eder), dann die älteren dahinter, und der Schwindel fliegt auf. Klar kann man ein Stück voller Anspielungen auf Homosexualität ("being earnest" bedeutete zu Wildes


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