Fragen Sie Frau Andrea

Die Karte am Plafond

Stadtleben | aus FALTER 05/06 vom 01.02.2006

Liebe Frau Dusl,

mich plagt schon länger folgende Frage: Wie kommt es, dass in manchen Wiener Lokalen (Café Hawelka, Café Ritter, HighTea ...) eine Spielkarte am Plafond "pickt"? Und wieso heißt es überhaupt "Plafond"?

Jürgen aus Wien-Meidling

Lieber Jürgen,

unser Wort für die Zimmerdecke kommt aus dem Französischen und ist eine Zusammensetzung aus "plat", eben, und "fond", Gewölbe. So ein ebenes Gewölbe braucht man, um eine Spielkarte an die Decke zu nageln. Die Karte am Kaffeehausplafond ist das bleibende Zeichen eines spektakulären, aber relativ einfachen Kartentricks. Das Phänomen boomte in den frühen Neunzigern, meine eigene Begegnung mit der klebenden Karte fand im Café Alt Wien statt und ging so: Ein leicht angestrudelter Rotweinkünstler setzte sich zu mir an den Tisch. In stockendem Kärntnerisch bat er mich, eine Karte aus seinem angesifften Kartenstoß zu wählen, eine Kraxen drauf zu machen und ihm wieder zu geben. Der illuminierte Karantane mischte die Karten, hauchte einen Villacher Zauberspruch, spannte zwei Gummiringe um den Stoß und knallte den Stapel an die Decke. Der Stapel fiel wieder herunter, an der Decke klebte die ausgesuchte Karte. Abgesehen vom üblichen Kartenmischschnickschnack arbeitet der Trick mit einer Schleife Tixo, die auf die Karte geschmuggelt wird. Magier mit größerem Budget verwenden Zauberwachs des amerikanischen Kartenwerfers Michael Amman. Trick und Klebewachs gibt es für schlappe 15 Euro im Zauberladen.

dusl@falter.at


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