PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Sehr geehrter Herr Dr. Pekarek!

Stadtleben | aus FALTER 05/06 vom 01.02.2006

... Denn er ist wie das Feuer im Schmelzofen und wie die Lauge im Waschtrog. Er setzt sich, um ... zu schmelzen und zu reinigen ...

Mal 3,1-4 (1. Lesung am Fest Darstellung der Frau/des Herrn [2.Februar])

Jetzt ist der Prozess so weit fortgeschritten, dass ich Ihnen und dem Stiftungsrat auch nicht mehr helfen kann, die Funktion des neu zu wählenden Generaldirektys nicht mehr übernehmen kann. Ihre Anfrage war natürlich eine Riesenfreude für mich, eine Ehre und eine Versuchung1, und ich schlief sämtliche Schläfchen darüber, aber ich erwachte eines 3-Uhr-Morgens und sagte zu mir selber: Nein, Pepi, das wär dir zu viel. Und würde ich an dem Posten scheitern, hätte die Gesellschaft nicht einmal mehr den Traum, es gäbe ja den Phettberg noch, wenn alle Stricke rissen, dann holen wir den. Aber auch ich muss ja all die schrecklichen Jahre, die Sie leben, meinerseits leben. Und beendete all die vielen Illusionen, die meine frische, fromme Fröhlichkeit erfüllten und die österreichischen Menschen so tröstete, dass es in Gumpendorf dann doch noch mich gäbe, wie es den Prinzen freute, zu wissen, es schlummert in Schloss und Gebüsch immer noch das liebe Dornröschen. Andererseits will ich doch niemandem die Lebensfreude rauben, in jungen und in alten Jahren verrückt nach Christian Clerici zu sein oder in Arwid Holtenau seinen Abgott zu finden. All die Millionen, die im ORF ihr Glück finden, denen will ich nichts rauben. Und mit jedem Tag werden weitere geboren, die von der ersten Minute im österreichischen Fernsehen die Gültigkeit und ihren normstiftenden Schwung finden, ihr Hirn formatieren. Grundsätzlich glaube ich ja, dass der ORF als Archivanstalt sehr nützlich sein könnte, all die Schrecken aufzubewahren, zubetoniert für Jahrzehnte, bis dann diese Unerschrockenen von der Drachenjagd das Herz der Frischgeborenen gewinnen. Es ist wohl schrecklich schwer, unbegabt zu sein und Herzen zu zerreißen.

1) Zu diesem Absagebrief an den Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrates wurde ich durch die beiden verdienten alten, aber immer noch hübschen Haudegen Peter A. Krobath und Paul Kuserutzky und den Musterbriefen ihres Absageservices auf der Internetadresse www.f13.at/abs inspiriert.

Die ungekürzte Verion des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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