VOM GRILL

Gereimtes Leben

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 05/06 vom 01.02.2006

Kennen Sie das? Manchmal ist der Tag schon in der Früh, als hätte ihn ein Schmetterling gemacht oder - sagen wir - Ringelnatz, der Dichter, klar und frech und liebevoll und fein. Verrückt vor Lebenslust. Und alles Melancholische in eine gute, freundschaftliche Umarmung gebettet. Oder in Wein. Keine Deppen weit und breit, überhaupt nicht. Vor allem nicht der Dings, Sie wissen sicher, wen ich meine.

Es liegt Fröhliches in der Luft, nicht wahr? Alles scheint gleichsam infiziert mit Heiterkeit. Das sind Epidemien, die kommen unverhofft von irgendwo und über uns. So was hätte man gern chronisch? Tatsächlich? Naja.

Man grinst einander in der Herrengasse an, einfach so, als sei Überbevölkerung überhaupt kein Thema. Und sogar am Jakominiplatz, der wüsten Bronx von Graz. Man lässt einander überall den Vortritt und möchte am liebsten das Schnäuztuch teilen. Bitte sehr! Zudem sind die Autofahrer weniger pestig, die Radfahrer weniger lästig und die Fußgänger - jetzt brauche ich einen Reim ... "befestigt", "gefestigt", "belästigt"? Das bringt's nicht.

Ach, an so einem Tag muss sich ja wirklich nicht alles reimen, da reimt sich sowieso das Leben. Eben! Gut gegeben!

Solche infektiösen Tage sollen wir uns eventuell bestimmt hinter die Ohren schreiben. Und uns später schmunzelnd daran erinnern, an irgendeinem Scheißtag wie zum Beispiel heute.


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