VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 06/06 vom 08.02.2006

Man sah ja alles kommen. Fragt sich nur, was man davon hat, wenn man Texte liest wie diesen: "Die wahren Verschiebungen der Geschichte gehen so unmerklich vor sich, dass die Schieber selbst im grellen Licht der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Ernst Grissemann ist so einer, zum Beispiel. Immer mehr werde er zur Stimme der Nation, hatte eine Zeitung festgestellt, als er zum Kommentator der Staatsoper-Gala der Stars ernannt wurde.

Ernst Grissemanns Stimme ist sozusagen die Stimme aus dem Land des Lächelns. Dieses Lächeln repräsentiert Österreich auf der Höhe seiner Zeit. Was bitte bleibt einem sonst, sagt dieses diskrete Stimmbandgrinsen. Dabei bleibt die Diktion ernst, im Frack sozusagen. Das schafft sie durch Kunstmittel von unerhörter Virtuosität: durch Pausen. Johann Strau#ß äh - schuffäh - ein Werkäh - das sprühtäh - vor Geistäh. Dieser Redefluss, nein, diese Redestockungen werden überhöht durch die falsche Betonung, vorzüglich von Fremdwörtern. Interpretation


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