PRESSESCHAU

Medien | Gerald John | aus FALTER 06/06 vom 08.02.2006

Dem Journalismus ist eine gewisse Redundanz nicht fremd. Jeder Schreiber kupfert irgendwann einmal, natürlich mit kosmetischen Veränderungen, einen eigenen Artikel ab - weil sonst nix los ist, ihm nichts einfällt oder der Chefredakteur auf ein bestimmtes Thema versessen ist. Im Insiderjargon heißen diese Stories "Copy-Paste-Geschichten", nach jenen Computerbefehlen, mit denen man ganze Textblöcke kopiert und einfügt. In den Sportredaktionen hat dieses Genre Hochsaison, wenn irgendwo in Italien eine Großveranstaltung ansteht. Heerscharen von Reportern reisen dann noch vor der Eröffnung an, um sich über das organisatorische Chaos das Maul zu zerfransen. So auch vor den heurigen Winterspielen in Turin. Schon im November ereiferte sich der Kurier über das "Panik-Orchester" der Mischmaschinen und Presslufthämmer, jetzt legt die Krone nach: "Noch sind Kilometer an Kabel zu verlegen, noch warten Abertausende Nägel auf den Hammer." Gähn! Alle paar Jahre das gleiche Lamento. Aber wenn einmal die Ösis schleißig Pisten präparieren (St. Anton!), will's niemand wissen.


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