PHETTBERGS PREDIGTDIENST

In Raub und Braus

Stadtleben | aus FALTER 06/06 vom 08.02.2006

... Ich sagte, ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. Und du hast mir die Schuld vergeben ...

Ps 32(31), 1-2, 5, 10-11 (1. Zwischengesang am 6. Sonntag im Jahre eines Lesejahres B)

Wenn im deutschen Bundestag die Angehörigen einer neuen Bundesregierung schwören, dann enthält die Schwurformel, dass sie Gerechtigkeit gegenüber jedermann üben werden. Das erinnert mich an unsere österreichischen Staatsanwaltschaften, dass sie bei jeder Anklage vollkommen gerecht Für und Wider abwägen müssen. Sie dürfen also nicht blindwütig anklagen, sondern nur, wenn sie im Rahmen ihres Wissen vollkommene Sicherheit über den Verdacht erlangen. Und ein Ministy kann also nicht den Staat versus den Menschen abwägen. Sondern zuerst steht das Herz des Menschen, und diesem darf nichts zugefügt werden, was das Herz des Ministys ebenfalls spürt. Denn wer wäre denn ein Staat gegenüber einem Verbrechen an einem Menschen? Da kann es doch kein Abwägen geben! Und im Fall Bloch-Bauer ist doch wohl klar, wie verbrecherisch an dieser Familie gehandelt wurde! Und Ministerin Gehrer hat ein Vermögen hineingebuttert, damit wir dieses Raubgut nicht wieder hergeben müssen. Schande und Schmach ohne Ende!

Es vollendet sich jetzt mein 14. Kolumnenjahr, und all die Jahre über zeigte die Regierung stolz die Raubgüter der Klimtgemälde, die der Familie Bloch-Bauer oder Zuckerkandl oder noch so vielen anderen geraubt wurden, deren Lebenswege von den Nazis vollkommen vernichtet wurden, in millionenfachen Morden, in einer unbeendbaren Schande vollzogen wurde. Und seit ich also lebe, in meinem dritten Mozartjahr (1956, 1991, 2006), warten die vielen Familien auf ein Ende wenigstens der Zeit der Raube. Hubertus Czernin, unser größter Journalist im Lande, ja der ist hinter all dem her. Aber ich sitze und warte, dulde den Frevel meiner Regierung, die mit Klimt und Mozart protzt, meine Joppe aber nicht zeigt. Und meine Bundesbahn residiert stolz in der geraubten Villa und gibt sie nicht zurück, bittet all die Ermordeten und Vernichteten nicht um Verzeihung. Und ich fahre mit ihr, verjage die Regierung nicht. Und grüße freundlich meine Ministerin, wenn sie vom Fitnessclub kommt. Grrrrrrr.

Die ungekürzte Verion des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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