VOM GRILL

Einkaufen, diese Pest ...

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 06/06 vom 08.02.2006

... - ich widerspreche arrogant der Mehrheit, die Einkaufen als Ausflug ihres Seelchens empfindet und Shopping nennt - Einkaufen ist das widerwärtigste, blödeste, ekligste, zeit-und geisttötendste, abzuschaffens-und bespuckenswerteste Phänomen der Gegenwart. Etwas für Autisten. Damit straft uns, wie wir Atheisten wissen, Gott für den Kapitalismus.

... vernichtet Landschaft um die Städte herum, weil es dort Warentempel hinklotzt. Und vernichtet die Städte, weil es den Häusern gleichsam die Basis wegsenst und wegkickt, um im Parterre seine grauslichen gläsernen fetischistischen Tabernakel zu etablieren. Und dann scheißt es darüber und darüber hinaus tags-und nachtüber die Fassaden voll mit seinen grellen, hässlichen und lauten Werbezumutungen.

... kann Friedliche wie mich auch zu deftiger Wortwahl verführen, die selbstverständlich viel zu milde ist.

... ist nur erträglich, wenn es vonstatten geht wie zum Beispiel bei mir: Menschen meines Vertrauens begeben sich einmal im Jahr in Fetzengeschäfte und kommen dann mit Zeugs beladen heim. Das wird vor mir ausgebreitet, und ich wähle angeödet und in möglichst kurzer Zeit was aus, worein ich halbwegs passe. Dann wird der Rest, um mich nicht zu belästigen, flott zurückgebracht. So, vermute ich, kauft ein halbwegs kultivierter Mensch ein. Alles andere ist wahrscheinlich des Teufels.


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