STANDPUNKT

Der Bomben-Erich

Politik | aus FALTER 07/06 vom 15.02.2006

Jetzt prügeln sie ihn. Nehmen ihm den Beruf, die Ehre, drehen ihm das Wort im Mund um. Erich Reiter, Sektionschef im Verteidigungsministerium, steht im politischen Winkerl. Und jeder spuckt und geifert und zeigt mit dem Finger auf den FPÖ-Mann: "Der da wollte die Atombombe ins friedliche Europa holen, der da ist ein Kriegstreiber der übelsten Sorte. Ein Dr. Strangelove, der uns mit ins nukleare Verderben reißt." Dabei ist Reiters Vorschlag, den Einsatzbefehl über die britischen und französischen Atomwaffen auf europäische Ebene zu stellen, alles andere als abwegig. Weltfremd vielleicht und jenseits politischer Realitäten und vielleicht zur Unzeit geäußert - aber nicht abwegig. Schon richtig, er hätte sich ja nicht so weit rauslehnen müssen, der Reiter. Zwingt ihn ja keiner, sich publicitygeil in News zu prostituieren. Aber Vorsicht: Hier hängt der Falsche am Schandpfahl. Da köchelt eine scheinheilige Pazifismusdebatte. Die Skandale österreichischer Verteidigungspolitik liegen woanders: millionenschwere Abfangjäger-und Raketendeals, Waffenverkäufe ins Krisengebiet, Misshandlungen in Kasernen und Wehrmänner, die einander im Grenz-einsatz das Hirn aus dem Schädel pusten. Dass sich ein Beamter kurz vor der Pensionierung den Maulkorb abstreift und darüber Tacheles redet, was er und seine Kollegen so ausbrüten, ist hingegen zu begrüßen. M.G.B.


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