Wege zum Nachruhm

Kultur | Gerhard Midding | aus FALTER 07/06 vom 15.02.2006

FILM Requiem auf einen Präsidenten: "Le Promeneur du champ de Mars" von Robert Guédiguian zeigt die letzten Monate von François Mitterrand.

Mit lüsterner Ehrfurcht berührt der Präsident den kalten Marmor, ohne falsche Scheu streicht er über die Gesichtszüge der Figuren und ermutigt seinen jungen Begleiter, es ihm gleichzutun. In der Basilika von Saint-Denis besichtigen sie die Grabstätten der großen französischen Könige. Das Gebaren des Präsidenten lässt keinen Zweifel, dass er sich hier im Kreis seiner Ahnen fühlt: François Mitterrand begreift sich als ein vom Volk gewählter Monarch.

Seine Identifikation mit den ruhenden Figuren ist freilich noch tiefer, ahnungsvoller. Er ist ergriffen von der Doppeldeutigkeit des eigenen Körpers. Dieser ist einerseits abstrakt, sein Amt macht ihn zu einem Nationalgut. Zugleich spürt er dessen Hinfälligkeit in jedem wachen Moment. Der Krebs lässt Mitterrand (Michel Bouquet) nur noch wenige Monate, um sein Haus zu bestellen. Als er anfängt,


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