Hundert Jahre Blasphemie


Matthias Dusini
Kultur | aus FALTER 07/06 vom 15.02.2006

KARIKATUREN In Österreich wurden Religionen selten karikiert. Nur die Antisemiten durften seit eh und je zeichnen, was sie wollten. Eine Recherche im Tagblatt-Archiv der Wiener Stadt-und Landesbibliothek.

Karikaturen sind für Eckart Früh Schwerarbeit. Er muss sich mit dem Körper gegen das rollbare Regal stemmen, um an die Ordner des von ihm geleiteten Tagblatt-Archivs der Stadt-und Landesbibliothek zu gelangen. Irgendwo im Labyrinth des Dachstuhls auf dem Wiener Rathaus lagern Hunderttausende Zeitungsausschnitte, die das Pressewesen des vergangenen Jahrhunderts dokumentieren, zusammengefügt aus mehreren Zeitungsarchiven und Privatsammlungen, etwa jener des kommunistischen Politikers Viktor Matejka oder des sozialistischen Parlamentsclubs. Das Archiv der Zeitung Tagblatt ist nur eines davon, gab der früher in der Arbeiterkammer befindlichen Sammlung aber ihren Namen.

Eckart Früh kennt das Archiv, wie es nur ein lang gedienter Archivar kennen kann. Während er die Schränke weiterschiebt,

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