NÜCHTERN BETRACHTET

Die finstere Seite des Leuchtstifts

Kultur | aus FALTER 07/06 vom 15.02.2006

Ständig schießen neue Lokale, Technologien und Freizeitvernichtungsmöglichkeiten aus dem Boden, sodass wir laschen Modernisierungsbejaher ständig neue Sachen machen müssen. Eine wissenschaftlich seriöse Erfassung veränderter Zeitstrukturen wäre ein lohnendes Projekt, das man auf den Monorailbahnfahrten ins Kompetenzzentrum Gugging schon mal andenken könnte. Was haben die Menschen getan, bevor sie daran gingen, ihre Plattensammlungen auf portable Musikfestplatten zu überspielen? Gewiss, Zeit hat kein Mascherl, aber im Unterschied zu den meisten Gütern kann sie nicht vermehrt werden - weswegen man paradoxerweise auch von ihrem "Mehrwert" spricht. Aber mit marxistischer Ökonomie mag sich heute ja niemand mehr befassen. Es liegt der Verdacht nahe, dass der Videorekorder daran schuld ist. Als die Menschen in den Achtzigerjahren daran gingen, mit gelben Leuchtstiften Fernsehbeilagen durchzuforsten und ihre Videorekorder zu programmieren bzw. diese von Freunden und Verwandten programmieren

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