VOM GRILL

Selbstgepresste Presse

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 08/06 vom 22.02.2006

Nun geht die Rede von der Pressefreiheit. Oho, aha, mhm. Wegen irgendwelcher dänischen Karikaturen, die einen Kerl zeigen, der ein Kind von neun Jahren geheiratet hat. Geheiratet. Diesen Aspekt haben die angeblich rechten Karikaturisten ganz links liegen lassen. Übrigens gehört es zum guten Ton zu sagen, diese Karis seien schlecht. Mag sein, aber die meisten sind besser als das meiste, was bei uns so tagtäglich erscheint.

Nun fragt man, wie weit Pressefreiheit gehen dürfe. Ich kenne die österreichische Pressefreiheit. Keine vornehme Bekanntschaft, mit der kommt man nicht weit. Ich habe in meinem werktätigen Leben bei einem Dutzend von Zeitungen gearbeitet. So gut wie überall gab es und gibt es Zensur. Die einen streichen Haiderattacken aus den Texten, die anderen Kritik an der Heuchelei, wieder andere das Getrampel auf den Kapitalismus und die restlichen meine Ohrfeigen für die Linken. Die Chefredakteure haben einfach Schiss: Die Rechten vor dem Herausgeber, die Pragmatischen vor den Annonciers, die Linken vor den humorlosen Leserinnen. Am tapfersten war eine Zeitung, die für den Umweltschutz kämpft, aber - Gott sei's geklagt -vor ihrer ersten Nummer verreckt ist.

Wichtiger als das Geplärr blödsinniger und blutrünstiger Muselmanen fände ich eine konkrete Debatte über unsere wahre Pressefreiheit. Die brauchen wir.


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