VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 08/06 vom 22.02.2006

Heute sitzt er in der letzten Bank des Bundestags, damals übte er gerade das Krawattenbinden und wurde berühmt duch die Turnschuhe, die er bei der Angelobung trug. Joschka Fischer, erster grüner Minister eines deutschen Bundeslandes.

Die Grünen mussten in Hessen tun, was ihnen in Österreich immer noch bevorsteht: lernen, wie man ein Ministerium übernimmt. Klaus-Peter Klingelschmitt berichtete aus Wiesbaden: "Das Problem sind die Fachabteilungen, denen die kompetenten Leiter/innen abgehen. Lediglich die Abteilung ,Naturschutz', der der Diplom-Biologe Wolfgang Ehmke - vor der Rotation Mitglied der Grünen im Bundestag - vorsteht, hat die Arbeit aufnehmen können, die von engen Vertrauten Fischers als ,Ausmisten des Augiasstalls' bezeichnet wurde. Doch ansonsten: Fehlanzeige.

Tom Koenigs, Leiter des Fischer-Ministerbüros und Joschkas Freund seit den ,heißen Tagen von Frankfurt', rang in den vergangenen Tagen die Hände: ,Wir suchen noch immer qualifizierte Chemikerinnen, Biologinnen und Ökologinnen.' Auch im Verwaltungsbereich seien noch ,jede Menge' Stellen zu besetzen. Tom Koenigs, der 1968 sein gesamtes Vermögen - Koenigs ist Bankierssohn - dem Vietcong spendete, hält in Wiesbaden die Fäden in der Hand. Der Ex-Haushaltsexperte der Landesgruppe der hessischen Grünen, oft als graue Eminenz bezeichnet, scheint zum ,Kardinal' avanciert zu sein: ,Keiner kommt zum Herrn (Minister) denn durch mich.' Als ,eine Art Filter' (Koenigs) soll er dem ,Minister Schadstoffe aller Art' vom Leib halten." A. T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige