STANDPUNKT

Ausgebrannt

Politik, FALTER 08/06 vom 22.02.2006

Der Metallarbeiter, der täglich am Hochofen malocht, soll dort nicht mit 65 Jahren am Hitzschlag eingehen, eh klar. Doch das neue Schwerarbeitergesetz, das diese Woche im Ministerrat beschlossen wurde, ermöglicht vielen Menschen in harten Jobs erst recht keinen früheren Pensionsantritt. Eine Schwerarbeiterregelung ohne Schwerarbeiter quasi, denn viele Jobs fallen aus dem Gesetz raus: Psychisch belastende Tätigkeiten, Arbeit unter Stress und Lärm oder Akkordarbeit gelten demnach nicht per se als Schwerarbeit - für die bisher schwammigen Definitionen soll erst noch eine Verordnung erlassen werden. Das Gesetz verkomme zum "Minderheitenprogramm", schimpft die Arbeiterkammer. Sicher ist nur eines: Nach den Plänen von BZÖ-Sozialministerin Ursula Haubner zählt allen Ernstes der Kalorienverbrauch als primäres Kriterium: Männer müssen bei ihrer Arbeit 2000 Kalorien, Frauen 1400 verbrennen. Absurd, weil ein 100-Kilo-Muskelprotz bei gleicher Leistung mehr verbraucht als ein dünner Spund. Ganz zu schweigen von dem Problem für jeden Betroffenen, dass nur die letzten zwanzig Jahre berücksichtigt werden. Auf diese Art bleiben viele Hackler über, ausgebrannt nach einem mühsamen Arbeitsleben. Doch vielleicht handelt die Regierung ja nur strategisch geschickt: damit es jährlich sogar noch weniger als die geplanten fünf Prozent Schwerarbeiter gibt. J. O.

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FALTER 21/19
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