"Ich bin nicht der Morawa"


Matthias Dusini
Kultur | aus FALTER 08/06 vom 22.02.2006

BUCHHANDEL Eines von Wiens Fenstern zur Welt wird geschlossen. Judith Ortner sperrt nach 23 Jahren ihre Kunstbuchhandlung. Ein Nachruf.

Was gibt es Neues?", ist die dümmste Frage, die man der Buchhändlerin Judith Ortner stellen konnte. Und sie wurde oft gestellt. "Neues? In der Gartenarchitektur? Bei den Schweizer Minimalisten oder den Büchern über Mark Rothko?", hakt die Mittvierzigerin dann nach. Ihr Geschäft mit der simplen Aufschrift "Kunst-Buchhandlung" in der Sonnenfelsgasse wurde im Laufe eines Vierteljahrhunderts zu so etwas wie einer kulturellen Institution. "Sie hat neue Buchwelten nach Wien gebracht", sagt der Architekt Rüdiger Lainer. Zur Entwicklung der hiesigen Architektur habe die Buchhandlung mindestens ebenso viel beigetragen wie die Architekturschulen. "Gelebte Kosmopolitik" nennt es Wolfgang Kos, der Direktor des Wien Museums.

"Institution? Ich kann das Wort schon nicht mehr hören", wehrt die gebürtige Tirolerin ab, die 1983 nach zwei Jahren bei einer Düsseldorfer

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