Fragen Sie Frau Andrea

Bumstinazl

Stadtleben | aus FALTER 08/06 vom 22.02.2006

Servus, liebe Frau Andrea,

in letzter Zeit verwendet meine Freundin immer wieder den Spruch: "Na bumst da Nazl." Muss ich befürchten, dass sie sich rechtsradikale Parolen angeeignet hat? Erschwerend kommt hinzu, dass sie diesen Spruch meist beim Wechseln der Windel unseres Sohnes verwendet. Danke für Ihre Antwort, Michael, Liesing

Lieber Michael,

die Hintergründe dieses Spruchs liegen tief in den Nebeln der Vergangenheit. Es gibt zwei Lösungsansätze, einer böse und ideologisch, der andere harmlos und religiös. Wir alle kennen Ausrufe wie "Jessasmaria!" (Jesus-Maria) oder "Marantjosef!" (Maria und Josef). Früher war man in Notsituationen durchaus versucht, auch einen der Hunderten Schutzheiligen anzurufen. Solch ein Schutzheiliger ist der Heilige Ignatius von Loyola. Der Gründer des Jesuitenordens war nicht nur begabt im Errichten einer katholischen Eliteorganisation und dem Protrudieren von Gebetstränen, er gilt auch als Protektor der Kinder und Antidämon von Gewissensbissen, Flöhen und Zauberei. "Bumsti, Nazl" (die Kurzform von Ignatius) mag also seinen Ursprung im Anrufen des Heiligen bei Kinderunglück aller Art haben. Profaner ist die Deutung von Bumstinazl als "Bumst-der-Nazi", das ein Echo aus den Dreißigerjahren sein könnte, als man auf diese Weise Sprengstoffattentate der illegalen Nationalsozialisten, leicht verschlüsselt, zustimmend kommentierte. Es sei Ihrer Fantasie überlassen, welche Version beim Anblick einer vollen Windel angebracht ist.

dusl@falter.at


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