STANDPUNKT

Und die Töchter?

Politik | aus FALTER 09/06 vom 01.03.2006

Pünktlich zum Frauentag am 8. März hat die Regierung ein Opferschutzpaket geschnürt, das gefährdeten Zuwanderinnen helfen soll. Denn künftig wird nicht nur härter gegen Zwangsehen vorgegangen, sondern auch gegen weibliche Genitalverstümmelung. Die Beschneidung von Mädchen, kurz FGM genannt, soll auch dann verfolgt werden können, wenn das grausame Ritual im Ausland begangen wurde. Außerdem wird die Verjährungsfrist verlängert - bis zu drei Jahre nach dem Erreichen der Volljährigkeit des Opfers kann angezeigt werden. Härtere Gesetze im Umgang mit diesen inakzeptablen Verbrechen gegen Frauen sind wichtig, wünschenswert wäre aber, dass sich Schwarz-Orange noch mehr einfallen ließe. Vor allem dazu, wie man junge Frauen vor Verstümmelung schützen kann. Denn laut Umfragen leiden zwar 8000 Migrantinnen in Österreich unter den Folgen von FGM, jede zehnte Betroffene will ihre Tochter aber trotzdem beschneiden lassen. Wie kommt man an die Mütter vor dem Eingriff ran? Es reicht wahrscheinlich nicht, dass man sie nun dafür ins Gefängnis stecken kann. Und noch eine Statistik trübt die österreichische FGM-Bilanz. Obwohl nach der Genfer Konvention eine Selbstverständlichkeit, gibt es hierzulande bis heute nicht einmal ein Dutzend Fälle, in denen eine drohende Beschneidung explizit als Asylgrund anerkannt wurde. Sind uns diese Mädchen wurscht? N. W.


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