SPIELPLAN

Kultur | Peter Fuchs, Wolfgang Kralicek | aus FALTER 09/06 vom 01.03.2006

Peter, 50, bekommt am Arbeitsplatz überraschend Besuch von Una, 25. Als Una zwölf war, führten sie eine sexuelle Beziehung. Peter ging dafür sechs Jahre ins Gefängnis und Una durch die Hölle. Das Burgtheater zeigt "Blackbird" von David Harrower im Vestibül. Una (Teresa Weißbach) stellt Fragen und changiert zwischen missbrauchtem Kind, Lolita und verlassener Geliebter. Peter (Martin Reinke) hat Angst, dass ihn seine Vergangenheit einholt. Beide stecken fest in ihren Verletzungen, Schuldgefühlen und ihrer Lust. Klingt spannend, ist es aber nicht. Die Handlung ist leicht vorhersehbar. Die Regie (Esther Muschol) steht unter übertriebenem Gestaltungsdruck. Die Schauspieler bringen die Biografien nicht zum Abheben. Aber sie nehmen alberne Positionen ein (auf dem Rücken am Tisch liegen, Kopf über die Kante hängen und ins Publikum schauen - manchmal ist das kein schöner Beruf). Alles harmlos im Reißerischen. Am Schluss kommt ein kleines Mädchen auf die Bühne. Warum eigentlich keine Zwölfjährige?

Die Freie Bühne Wieden hat sich auf szenische Biografien spezialisiert. Nach Stücken über Leopold Figl und Gustav Mahler steht jetzt "Sindelar" (bis 11.3.) auf dem Spielplan. Der Mittelstürmer des "Wunderteams" in den Dreißigerjahren ist eine ebenso legendäre wie schillernde Figur: Sein Tod durch Rauchgasvergiftung im Jahr 1939 ist mysteriös, sein antifaschistisches Image hat durch Sindelars dubiose Rolle bei der "Arisierung" eines Kaffeehauses zuletzt Sprünge bekommen. Autor Wilhelm Pellert ("Jesus von Ottakring") lässt sich auf die Widersprüche der Biografie nicht ein und stilisiert den "Papierenen" zum Märtyrer. Zu sehen ist eine Art Heiligenlegende, die in der hauseigen-hausbackenen Art dieses Theaters naiv aufgerollt wird. Ob Sindelars Tod ein Unfall oder Selbstmord war, bleibt auf elegante Weise offen; den Kauf eines Kaffeehauses, dessen jüdischer Besitzer nach dem "Anschluss" zur Flucht gezwungen ist, als Heldentat darzustellen, grenzt dann aber an Geschmacklosigkeit.


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