KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 09/06 vom 01.03.2006

Es ist eine klinisch heile Welt, die David Goldblatt in seiner Fotoserie "Boksburg" zeigt. Da wird diszipliniert Rasen gemäht, Klavier gespielt oder Ballett getanzt. Süße Jungs freuen sich am Pfadfinderkurs, während ein Soldat voller Fassung seinen toten Kameraden beisetzt. Das tägliche Leben der weißen Minderheit Südafrikas wollte Goldblatt in seinen Bildern festhalten; mit dem Wissen um die Gewalt der Apartheid scheinen diese Milieus paranoid darauf bedacht, jede Form von Andersheit auszuschließen. Goldblatts großartige Bilder sind derzeit in der Ausstellung "Black Brown White" (bis 18.6.) zu sehen, mit der sich die Kunsthalle der südafrikanischen Fotografie widmet. Der 1930 geborene Sohn aus Litauen emigrierter Juden wandte seinen Blick nicht den krassen, journalistisch verbreiteten Szenen der Rassentrennung zu, sondern unscheinbareren Realitäten, die zu Ereignissen führen könnten. Er begleitete schwarze Pendler, die aufgrund der Siedlungspolitik jeden Tag unglaublich lange


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