Fragen Sie Frau Andrea

Zeit ist Geld

Stadtleben | aus FALTER 09/06 vom 01.03.2006

Liebe Frau Andrea,

letztens an der Billakasse: Die Kassierin zog meinen Einkauf mit 160 km/h über die Laserleuchte und stapelte ihn auf der kleinen Ablage hinter dem Band. Ich kam mit dem Einsackeln gar nicht nach. Sie müsse das nicht so schnell tun, meinte ich, doch, müsse sie, meinte sie, Anweisung von oben. Aber ich müsse das nicht, entgegnete ich, bei mir gäb's kein Oben. Darauf schob die Kundin hinter mir ihre Frühstückscerealien gegen meine Milchpackerln und herrschte mich an: "Tuan S' weiter, Zeit ist Geld." Was soll man denn da sagen?

Ines Zirbensäger, Margareten

Liebe Ines,

mit dem schönen Satz "Bei mir gibt's kein Oben" haben Sie Ihr Arsenal an argumentativ hochstehenden Antworten für Billakassierinnen fast ausgeschöpft. Die Arme kann nicht viel für die Eile, die in ihrem Laufrad herrscht. Eine Empfehlung der Lektüre von Marx und Engels oder einer frischeren Arbeitnehmerschrift tut aber immer ihr Gutes. Problematischer scheint mir da doch das Zitat der am neoliberalen Denkparkett tanzenden Kundin hinter Ihnen. Hier könnte man entgegnen: "Zeit ist Geld? Meinen Sie, geehrte Getriebene? Zeit, dieser durch Abstraktion herausgehobene Verlaufsaspekt der veränderlichen Zustände der Realität? Das erlebte Vergehen von Gegenwart? Die Begriffswolke, die kausal verknüpfbaren Ereignissen und Handlungen eine Reihenfolge zuregnet? Diesem Mysterium soll Tand von Menschenhand gleichkommen? Aber gengan S'!"

dusl@falter.at


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