VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

Warum nicht einmal eine Anzeige? Natürlich war vor zwanzig Jahren Werbung im Falter keine Selbstverständlichkeit. Politische Werbung schon eher; es war noch immer Waldheimzeit, Wahldheimwahlkampf, und manche Initiative wagte sich in Form der bezahlten Anzeige hervor, was dann wieder feindliche Initiativen zu Schimpforgien auf der Leserbriefseite ermunterte. Außerdem hatten sich die Grünen aufgerafft, eine Kandidatin ins Rennen um den Bundespräsidenten zu schicken: Freda Meissner-Blau.

In der Anzeige des "Büro Freda Meissner-Blau" wagten sich verschiedene Persönlichkeiten mit sogenannten Testimonials hervor. Den Satz "Ich wähle Freda Meissner-Blau, weil..." vervollständigten unter anderen Escribano, Marie Therese, Gesangskünstlerin und Komödiantin, geb. 1926: "... weil ich die abgedroschene, misslungene Männerpolitik satt habe. Endlich was anderes!" Turrini, Peter, Autor, geb. 1944: "...weil ich möchte, dass Mut, Aufrichtigkeit und Wärme zu Kategorien des politischen Handelns werden." Heller, André, Künstler, geb. 1947: "... weil ich gerne wieder einmal in einem Österreich leben möchte, für das man sich nicht zu genieren braucht." Resetarits, Lukas, Kabarettist, geb. 1947: "... weil ich demokratischer Optimist bin." Jungk, Robert, Zukunftsforscher, geb. 1913: "... weil ihre Kandidatur Signale der Hoffnung auf ein Österreich setzt, in dem die Stimme der Frauen endlich gehört wird; auf ein zukunftsoffenes und friedensstiftendes Österreich, in dem alle Bürger mitbestimmen." Pilz, Peter, Ökonom, geb. 1954: "...weil ich mir ein Bundesheer nur unter ihrer Führung vorstellen kann."

Außerdem suchte das Büro Helferinnen und Helfer für Büroarbeit, Infostände sowie "jede denkbare Sachspende von Büromaterial, Druckpapier, Büromaschinen, Buttonsmaschine, Kaffee, Tee bis Leihautos." Gewählt wurde dann Kurt Waldheim. A. T.


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