STANDPUNKT

Gerne Kuh

Politik | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

Wenn es Regierungen in Vorwahlkampfzeiten nach frischen Geldern gelüstet - etwa um in Zeitungen Gratulationsinserate für Olympioniken oder mehrseitige Informationskampagnen zu schalten - brauchen sie Fingerspitzengefühl. Nur ein Narr käme dieser Tage mit neuen Steuern daher. Kreativität ist gefragt, und Geldbeschaffer setzen in solchen Fällen immer wieder auf eine besondere Klientel: die Autofahrer. Letztere betrachten sich zwar als Melkkuh der Nation und schreien diese Betrachtung auch gern in die Welt hinaus, recken aber andererseits dem Fiskus mit Hingabe die Zitze entgegen. Jüngster Beweis für dieses wunderliche Phänomen und die Erfolgsträchtigkeit eines darauf abzielenden Gebührenkonzepts ist der neue Scheckkarten-Führerschein. Wer will, kann seit März das alte Papier zum wohlfeilen Preis von 45 Euro gegen die neue Plastikkarte tauschen. Die Nachfrage sei, heißt es aus dem Verkehrsministerium, gewaltig: Jeden Tag beantragen tausend Österreicher die Karte. Die hässlichen rosafarbenen Papiere werden über kurz oder lang aus unseren Brieftaschen verschwinden. Ein ästhetischer Gewinn für die Gesellschaft. Obendrein verdient der Staat wie bei den Wunschkennzeichen ein nettes Sümmchen extra. Genial, oder? Ich rege hiermit offiziell eine mehrseitige Gratulationskampagne für den Verkehrsminister an. M.G.B.


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