Poldi, wer warst du?

Politik | Matthias G. Bernold | aus FALTER 10/06 vom 08.03.2006

LEOPOLD GRATZ (1929-2006) Der langjährige Wiener Bürgermeister verstarb letzten Donnerstag. Wer war der Mann wirklich?

Jetzt wählen sie alle schöne Worte. Keine Rede mehr von aufzeigen und anpatzen, anklagen und abmontieren. Der Mensch hat sein Leben ausgehaucht, und rückblickend wird es eingehüllt in einen Nebel aus betulicher Kondolenz und süßlicher Sympathiebekundung. Freund und Feind wetteifern im postmortalen Kotau. "Ein vielseitiger Politiker mit Kraft und Fantasie", lobt der Bundeskanzler. "Ein Gentleman und großer Diener der Republik", der Nationalratspräsident. Der SPÖ-Chef sieht "einen großen Sozialdemokraten und Humanisten". Die Grünen jemanden, "der über Parteigrenzen hinweg anerkannt war". Und der Kärntner Landeshauptmann spricht von Leopold Gratz nicht ohne Ironie als "Brückenbauer".

Dabei gebührt dem Donnerstag Früh in der Rudolfsstiftung Verstorbenen mehr als nur die Betrachtung aus der "De mortuis nihil nisi bene"-Perspektive. Gratz (Jahrgang 1929) war ein


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